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Aus Buddhismus Aktuell 4 / 2017

Haltloser Halt

Zen und Sensory Awareness

Ein Beitrag von Stefan Laeng-Gilliatt

flying crow

“Im Gesehenen nur das Gesehene. im Gespürten nur das Gespürte.” Einfach, wie diese Worte des Buddha klingen mögen, für den nach letzten Wahrheiten dürstenden Menschen, sind sie eine ziemliche Herausforderung. Wir wollen und brauchen Kontext, um uns in der Weit zurechtzufinden. Dabei verlieren wir uns aber gerne im “Kontextieren”. Wir trauen lieber der Landkarte als unseren eigenen Augen.

Immer wieder gibt es aber Impulse, solche Sicherheiten hinter sich zu lassen, um Schritte ins Offene zu wagen, um Fragen zu stellen, anstatt Antworten zu suchen. Im Buddhismus gehört dazu Zen, im Westen Sensory Awareness, das sich aus der deutschen Gymnastikbewegung des frühen 20. Jahrhunderts entwickelt hat.

Beide Vergehensweisen sind daran interessiert, direkt und möglichst ungefiltert Wirklichkeit zu erfahren und adäquat zu handeln und nicht daran, Wahrheiten zu verkünden. Sie tun dies von diametral entgegengesetzten Ausgangspunkten und begegnen sich in der Erkenntnis, dass Form und “Leerheit” (bzw. Inhalt) letztlich eins sind.

“Sensory Awareness ist die innere Erfahrung des gesamten Wesens, wenn der Geist still wird,” sagte Shunryu Suzuki Roshi. Die Sensory-Awareness-Pionierin Charlotte Selver über Suzuki: “Er nimmt im Sitzen keine Haltung an - er sitzt einfach und sein stilles Sitzen zeigt, wie außerordentlich beweglich er ist.”

Während Sensory Awareness vorgegebene Formen und gesicherte Erkenntnisse erst einmal hinter sich lässt und uns auffordert, durch tastendes Probieren zu entdecken, wie etwas sein will, gibt uns Zen sozusagen die ausgereifte Form vor, die wir dann mit Leben füllen sollen. Beide Vergehensweisen bergen ihre Gefahren, wenn sie als “edle Wahrheiten” blind angenommen werden. Zen kann im Dogma der Form erstarren, Sensory Awareness sich im Primat der subjektiven Erfahrung verlieren. Um Wahrheiten geht es aber letztendlich gerade nicht, sondern um einen gangbaren Weg, um Stephen Batchelor zu paraphrasieren. Und der muss immer wieder neu entdeckt und kultiviert werden.

Gemeinsam mit Stefan Laeng-Gilliatt lädt das Bonner San Bo Dojo ein, diese beiden Ansätze zusammen zu erleben. Am Wochenende vom 27. bis 29. Oktober 2017 findet ein “Zen und Sensory Awareness” Workshop in der Dorfschule Hesseln, in der Nähe von Bonn, statt. Zen-Praktizierende aller Traditionen sind hierzu herzlich eingeladen.
Weitere Infos: www. zen-bonn.de


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